17. Dezember 2010

- Rezension - Ein Weihnachtsmär - Nussknacker und Mausekönig

Autor: E.T.A. Hoffmann
Gattung: Märchen
Verlag: Reclam, 2006
ISBN: 978-3-15-010605-1
Seiten: 100 incl. Anmerkungen





"Ich wende mich an dich selbst, sehr geneigter Leser oder Zuhörer Fritz - Theodor - Ernst - oder wie du sonst heißen magst, und bitte dich, dass du dir deinen letzten, mit schönen bunten Gaben reich geschmückten Weihnachtstisch recht lebhaft vor Augen bringen mögest, dann wirst du es dir wohl auch denken können, wie die Kinder mit glänzenden Augen ganz verstummt stehen blieben [...]."

Ein Nussknacker ist für viele eine schöne Weihnachtsdekoration. Doch diese kleinen Holzsoldaten gibt es nicht erst seit heute. Schon im 19. Jahrhundert zierten die Herren mit dem starken Unterkiefer die heimischen Wohnzimmer zur Weihnachtszeit. E.T.A. Hoffmann veröffentlichte 1816 das Märchen Nussknacker und Mausekönig, welches klassisch schön und schaurig ist.

Für die Kinder des Medizinalrats Stahlbaum, Marie und Fritz, ist das Weihnachtsfest schon immer etwas besonderes gewesen. Wenn der Tannenbaum so schön funkelt und mit allerlei Naschwerk geschmückt ist, wird es still im Hause Stahlbaum und die Kinder warten sehnlichst hinter verschlossener Türe, dass die Klingel läutet und sie in den Wohnraum zu ihren Geschenken geleitet. Der Obergerichtsrat Droßelmeier hat in jedem Jahr ein ganz besonderes Geschenk für die Kinder, das er stets selber baut. Deshalb sind seine Geschenke immer so kostbar, dass die Eltern von Marie und Fritz, sie kurz nach dem Fest stets weggeschlossen haben. In freudiger Erwartung rätseln die Kinder, was Herr Droßelmeier ihnen wohl dieses Jahr zum Geschenk machen werde. Als schließlich das Glöckchen klingelt, um die Kinder herein zu lassen, sehen die Kinder viele schöne Geschenke, die ihre Eltern für sie ausgesucht haben. Zu guter letzt entdeckt Marie einen kleinen hölzernen Mann unter dem Baum. Sie ist ganz entzückt und hegt sofort eine gewisse Leidenschaft für ihn. Deshalb spricht der Obergerichtsrat ihr die Pflege und Obhut dieses Nussknackers zu, welche Marie gerne annimmt. Doch Fritz missfällt dies, weshalb er den Nussknacker im Kampf testet, wodurch dieser nicht nur ein paar Zähne verliert, sondern auch einen Armbruch erleidet. Schnell kümmert sich die kleine Marie um ihren holzigen Freund, nichts ahnend, dass dieser noch seinen größten Kampf mit dem siebenköpfigen Mausekönig ausstehen muss.

Märchen sind oftmals schön, doch meist mit einem bitteren Beigeschmack versehen. E.T.A. Hoffmann schrieb Der Sandmann in dem er über einen Sandmann schreibt, der nachts kommt und den Kindern Schreckliches antut. Nicht so ganz schaurig, aber dennoch mit der typischen Handschrift Hoffmanns versehen, erzählt er die Geschichte vom Nussknacker und Mausekönig. Ein verwandelter Prinz, die Rache der Mausekönigin und der Böse Mausekönig bilden ein Märchen, dass die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verschwimmen lässt. So ist nicht gewiss, welche Erlebnisse der kleinen Marie in Wirklichkeit wiederfahren und welche sie sich eingebildet hat. Ein Hindernis für Kinder beim Lesen der Lektüre ist die Sprache, welche der damaligen Zeit um 1816 entspricht. Erläuterungen, die veraltete Begriffe erklären, finden sich jedoch im Anhang der Reclam Ausgabe, welche auch den Wissensdurst besonders neugieriger Kinder befriedigen sollte. Dennoch ist es eine Geschichte, die man gemeinsam mit der ganzen Familie erleben sollte.

Auf jeden Fall ein typisches Märchen, das Stoff für einen fantatischen Film bietet. Zahlreiche Zeichentrickverfilumgen sind bisher erschienen und es werden immer mehr. Für Kinder ist es ein schönes, aber auch beängstigendes Märchen, was mit wunderbaren Zeichnungen die Phantasie aufleben und Angstschweiß aufkommen lässt. Auch auf der Theaterbühne fanden Nussknacker und Mausekönig schon mehrfach ihren Platz.

Fazit:
In jeglicher Hinsicht ein Märchen für die ganze Familie. Für schöne schaurige Stunden, egal ob beim Lesen, Hören oder Sehen. 

Bewertung: (6  von 7)





Der Autor: 
Ernst Theodor Amadeus Hoffmann, kurz E.T.A. Hoffmann ,wurde 1776 in Königsberg geboren. Er war gelernte Jurist mit Begabung zur Schriftstellerei, aber auch zum Zeichnen. Er gilt als einer der großen Schrifsteller der Romantik. Er schrieb u.a. Die Elixiere des Teufels, Der Sandmann und Nussknacker und Mausekönig.







Bildquelle: portrait.kaar.at
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